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Anwander, Johann Baptist (~ 1750-~1800), Maler

Johann Baptist Anwander (* um 1750 in Landsberg am Lech; † um 1800 in Augsburg) war ein Künstler und Rokoko-Maler. Er war der Neffe des berühmteren Rokoko-Malers Johann Anwander.
Werke (Auswahl)
• Deckenfresko – Klosterkirche Obermedlingen
• Deckenfresken der Wallfahrtskapelle St. Jodok bei Haunswies (Affing)
• Deckengemälde und große Altarblätter – Kloster Münnerstadt
• Fresko in der Pfarrkirche von Prittriching
• Gemälde Der liebeskranke Antiochus – Das Bild erzählt die Geschichte des erkrankten Königssohnes Antiochus. Sein Arzt Erasistratos (oder Demetrios) sieht die Krankheitsursache in der verzweifelten und unerfüllten Liebe des Prinzen zu seiner Stiefmutter Stratonike. Um seinen Sohn zu retten, gibt Antiochus’ Vater daraufhin seine Gemahlin frei.
http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Baptist_Anwander (01.10.2013)

Baur, Hans (1910-1986), Schauspieler

Hans Baur (* 8. August 1910 in Eresing; † 21. Dezember 1986 in München) war ein bayerischer Volksschauspieler und Charakterdarsteller.
Leben
Baur machte 1929 am Wilhelmsgymnasium München Abitur und begann darauf ein Jurastudium an der Universität München, das er allerdings nach einem Semester abbrach.
Erst nach seinem ersten Engagement beim Rundfunk in München (1932) und der drohenden Entlassung nahm Hans Baur professionellen Schauspielunterricht bei der Staatsschauspielerin Magda Lena. Es folgten Bühnenengagements, u. a. in München an den Kammerspielen (1934/1935), an den Städtischen Bühnen Augsburg (1935–1937), den Städtischen Bühnen von Münster (1937–1939), dem Theater der Stadt Essen (1941/1942; 1946–1948) und den Städtischen Bühnen Frankfurt am Main (1942–1944). Wegen einer schweren Krankheit blieb Baur der Kriegsdienst erspart. In den 1960-er und 1970-er Jahren trat er als Schauspieler im Münchner Residenztheater auf, z. B. am 5. Januar 1975 in der Premiere von Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben.
Für die Film- und Fernsehzuschauer entwickelte sich Hans Baur erst ab den 1950er Jahren zu einem vertrauten Gesicht, zunächst vor allem durch TV-Fassungen von Bühnenstücken und Literaturverfilmungen. So spielte er u. a. in Das Spukschloß im Spessart (1960), Der Tod läuft hinterher (1967) oder Die Wiesingers (1984). Besonders populär war seine Rolle als Amtsgerichtsrat Stierhammer in Georg Lohmeiers 53-teiliger Serie Königlich Bayerisches Amtsgericht (1969–1972) an der Seite von Georg Blädel und allen wichtigen Volksschauspielern dieser Zeit.
Hans Baur war wegen seiner sonoren Stimme prädestiniert für den Erzähler bei zahlreichen Kinderhörspielen, darunter Der Räuber Hotzenplotz (6 Teile), Die kleine Hexe (3 Teile) und Das kleine Gespenst. Die Buchvorlage aller genannten Hörspiele lieferte Otfried Preußler. Darüber hinaus war der Schauspieler noch in einigen Hörspielen des Bayerischen Rundfunks aus der Kinderserie Meister Eder und sein Pumuckl in Nebenrollen zu hören, z. B. als Meister Eders befreundeter Handwerker Bernbacher in der Folge Das Spanferkelessen, nach dem gleichnamigen Buch von Ellis Kaut. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Feldafing.
Filme (Auswahl)
• 1955: Es geschah am 20. Juli
• 1956: Der Meineidbauer
• 1958: Othello
• 1958: Die Bernauerin
• 1959: Das schöne Abenteuer
• 1960: Die Lokalbahn
• 1960: Jeanne d’Arc auf dem Scheiterhaufen
• 1960: Das Spukschloß im Spessart
• 1960: Ein Weihnachtslied in Prosa oder Eine Geistergeschichte zum Christfest
• 1966: Jeanne oder Die Lerche
• 1967: Der Tod läuft hinterher
• 1969: Alma Mater
• 1972: Fettaugen
• 1973: Waldfrieden
• 1975: Brautschau
Fernsehserien
• Komödienstadel
• Polizeiinspektion 1
• 1964: Die fünfte Kolonne – Eine Puppe für Klein-Helga
• 1964: Das Kriminalmuseum – Der Fahrplan
• 1965: Der seidene Schuh
• 1967: Der Tod läuft hinterher
• 1967: Das Kriminalmuseum – Kaliber 9
• 1968: Graf Yoster gibt sich die Ehre
• 1969–1972: Königlich Bayerisches Amtsgericht
• 1971: Der Kurier der Kaiserin
• 1973–1977: Tatort (Fernsehreihe)
o 1976: Tatort: Wohnheim Westendstraße
• 1974: Der Kommissar – Ein Anteil am Leben
• 1975: Derrick – Kamillas junger Freund
• 1977: Derrick – Hals in der Schlinge
• 1984: Franz Xaver Brunnmayr
• 1984: Die Wiesingers
Auszeichnungen
• 1980 Oberbayerischer Kulturpreis
http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Baur_(Schauspieler) (02.10.2013

Ett, Caspar (1788-1847), Komponist

Caspar Ett (* 5. Januar 1788 in Eresing; † 16. Mai 1847 in München) war ein deutscher Organist und Komponist.
Leben
1804 schloss er seine Gymnasialstudien am „Paedagogium“ in München, dem heutigen Wilhelmsgymnasium, ab. Ett studierte am Kurfürstlichen Seminar in München und wurde 1816 Hoforganist an der Michaelskirche. Ett erwarb sich Verdienste um die Wiederbelebung der Chormusik des 16. bis 18. Jahrhunderts. Er komponierte neben katholischer Kirchenmusik auch Werke für den griechisch-orthodoxen und jüdischen Gottesdienst. Er war der Musiklehrer von König Maximilian II. Des Weiteren studierte der englische Komponist Robert Lucas Pearsall 1832 bei ihm Alte Musik und Notenkunde.
In Eresing wurde eine Straße nach Kaspar Ett benannt. In München gibt es in der Innenstadt ebenfalls eine Ettstraße, an der auch das aus zahlreichen Fernsehserien bekannte Polizeipräsidium steht. Sein Grab befindet sich auf dem Alten Südfriedhof in München.
Werk
• Haec dies
• Pange lingua – Tantum ergo
• Ave maris stella
• Missa quadragesimalis
• Ave vivans hostia
• Laudate dominum
• Cantica Sacra
• Iste confessor Jesu
• redemptor omnium
• Prope est
• Requiem
• Dziesma sv. Jāzepa godam.

http://de.wikipedia.org/wiki/Caspar_Ett (02.10.2013)

Feldigl, Ferdinand (1861-1828); Schriftsteller und Musiker

Ferdinand Feldigl (* 5. April 1861 in Landsberg am Lech; † 9. April 1928 in Fürstenfeldbruck) war ein deutscher Schriftsteller und Musiker.
Er entdeckte verschollene Handschriften zu den Oberammergauer Passionsspielen wieder. Nach Ferdinand Feldigl sind Straßen in Oberammergau und Fürstenfeldbruck sowie eine Volksschule in der Jachenau benannt.
Leben
Ferdinand Feldigl war ein Sohn des Landsberger Stadtschreibers Johann Georg Feldigl und ein Enkel des Chirurgen Georg Feldigl. Seine Mutter Magdalena, geb. Miller, war eine Schwester Ferdinand Millers, nach dem Ferdinand Feldigl wohl benannt wurde. Sie starb, als der Sohn zehn Jahre alt war. Ferdinand Feldigl wurde in Landsberg und Freising zum Lehrer ausgebildet und hatte seine ersten Stellen in Reischach bei Altötting und in Bad Aibling. 1883 wurde er fest angestellt und wurde Lehrer in der Jachenau. Dort heiratete er Maria Oswald. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, von denen drei noch in der Jachenau geboren wurden, ehe Feldigl nach Oberammergau versetzt wurde. Dort war er bis 1902 Lehrer, danach in Fürstenfeldbruck. Im Alter von 59 Jahren ließ er sich wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand versetzen. Er starb einige Jahre später im Schwalber-Haus in Fürstenfeldbruck an Magenkrebs und wurde auf dem Brucker Friedhof, dem heutigen alten Friedhof Fürstenfeldbruck, bestattet. Das Grab ist erhalten geblieben.

Literarische Tätigkeit
Feldigl fühlte sich zum Dichter und Komponisten berufen und pflegte seine Eingebungen sofort niederzuschreiben, auch wenn sie ihm während des Schulunterrichts in den Sinn kamen. Dies führte häufiger zu Anzeigen bei der Schulbehörde, auf die er in seinem Roman Ikarus anspielte. Außer diesem Roman schrieb er noch Ein deutscher Meister. Erzgießer Ferdinand von Miller sowie Der Weg übers Moor, Geschichten für den stillen Herd und Maria Magdalena. Außerdem verfasste er die Texte zu den Ziehbildern Lothar Meggendorfers unter dem Titel Prinz Liliput und zu Meggendorfers Bilderbuch Neues Einmaleins und veröffentlichte in zahlreichen Zeitschriften, Vereinschroniken etc. Texte. Ferner arbeitete er auch als Herausgeber. Nicht veröffentlicht wurden Arm und reich, Der Kastellan vom Herzogstand, die Pädagogischen Bekenntnisse und eine unvollendete Biographie des Komponisten der Oberammergauer Passionsmusik Rochus Dedler.
Feldigls Kompositionen sind bis auf das Lied von der Jachenau weitgehend vergessen. Die umfangreichste Komposition war Die frommen Schwestern von St. Marie, 1912 vom Brucker Männergesangverein uraufgeführt.
Feldigl und die Oberammergauer Festspiele
Bei den Oberammergauer Festspielen im Jahr 1900 übernahm Feldigl die musikalische Leitung und dirigierte die Passionsmusik in allen Aufführungen. Außerdem verfasste er mehrere Fremdenführer zu dem Ort, den ersten bereits 1900, weitere in den Jahren 1910 und 1922. Zu einem Bilderwerk Vinzenz Marschalls über die Festspiele schrieb er das Geleitwort.
Auf dem Krankenbett entdeckte Feldigl im Jahr 1920 den verschollen geglaubten Passionstext aus dem Jahr 1811 wieder. Dieser Text von Othmar Weis war in die Brucker Pfarrbücherei geraten. Feldigl rekonstruierte den Weg der Handschrift aus dem Nachlass Weis’ in die Bücherei und entdeckte dabei eine weitere Originalhandschrift Weis’ aus dem Jahr 1815. Seine Entdeckungen veröffentlichte er in dem Werk Oberammergauer Bilder und Gestalten. Eine vollständige Geschichte der Passionstexte kam unter dem Titel Denkmäler der Oberammergauer Passionsliteratur heraus.
Feldigl in Fürstenfeldbruck
In Fürstenfeldbruck gründete Feldigl einen Literaturkreis und leitete den Männergesangverein. Er schrieb mehrere Theaterstücke – Rauhnacht, Bildstöckl, Der Wildauf, Die Steinlechner-Drillinge etc. –, die vom Gesellenverein und dem Literaturkreis auf die Bühne gebraucht wurden. Genutzt wurde dafür der Jungbräu-Keller.
Die Marktgemeinde bat Feldigl außerdem, eine Chronik des Ersten Weltkrieges anzulegen. Die zehn Mappen, die er zusammenstellte, befinden sich heute im Stadtarchiv Fürstenfeldbruck.
http://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Feldigl (02.10.2013)

Fridl, Markus (1675-1754), Pfarrer und Bauherr

Dr. Markus Friedl, wurde 1675 als der älteste Sohn des sog. Amplbauern in Burgstall, bei Egenburg, Pfarrei Mering geboren. Er war Doktor der Theologie und der beiden Rechte, Pfarrer in Purk, Beuern und Moorenweis und Regens zu Pfaffenhausen. Er war Direktor des Priesterseminars in Pfaffenhausen bei Mindelheim. Er lies in Moorenweis die Pfarrkirche St. Sixtus und im benachbarten Eismerszell St. Georg neu erbauen.
In seinem Geburtsort Burgstall baute er eine Kapelle und daneben ein hölzernes Häuschen, Klause genannt, “an welches er ein 45 Fuß (14 Meter) hohes Glockenthürmchen von Stein fügen ließ und lebte, des Gottesdienstes in der Kapelle pflegend und den Kindern des Ortes und der Umgegend Unterricht ertheilend, in der Weise eines Einsiedlers, bis er nach kurzer zeitlicher Ruhe schon am 20. November 1754 zur ewigen Ruhe abberufen wurde”. Sein Grabstein ist an der Ostwand der Kapelle noch zu sehen. Der in Latein geschriebene Text nennt ihn in elegischen Worten eine “Sonne in düsterer Zeit”. Der Text enthält das Geburts- und das Todesjahr in Form zweier Chronogramme.
“Parva haec fossa capit virum, in quo omnia magna, cujus nomen ob zelum ac scientiam Romae incluaruit. Fuit is pl.r.ac cl. D. Marcus Fridl, SS. Th. et J.u.C., in Burk, Bayrn ac Mohrnweis par. et cam. I.Regens Pfaffenh., sacelli hujus fundator. Postquam etiam inter nubila semper effulsit, hic tandem, eheu, 12.Kal.Dec. SoL Iste In Morte oCCIDIt. (1754) VbI orIens LaetantI MVnDo ILLvXIt. (1675).”
Übersetzung: Diese kleine Grab birgt einen Mann, an dem alles groß war, daß sein Name ob seines Eifers und wegen seiner Wissenschaft auch in Rom wohlbekannt war. Dieser war Markus Fridl, Doktor der heiligen Theologie und beider Rechte, Pfarrer und Kammerer in Purk, in Beuern und Moorenweis und erster Regens in Pfaffenhausen, welches er gegründet hat. Nachdem er auch in düsterer Zeit immer geleuchtet hat, möge er hier seinen Frieden haben. Diese Sonne ging im Tode unter 1754, wo sie anfing der Welt zu leuchten und sie zu erfreuen 1675.

Fried, Pankraz (1931-2013), Historiker

Pankraz Fried (* 12. Juli 1931 in Wabern; † 26. Februar 2013 in Heinrichshofen) war ein deutscher Historiker.
Der Sohn eines Landwirts legte 1951 das Abitur am Gymnasium bei St. Stephan in Augsburg ab. Von 1952 bis 1958 studierte er Philosophie, Altphilologie und Geschichte an der Universität München und von 1955 bis 1956 Volkskunde an der Universität Innsbruck. 1959/60 promovierte er in bayerischer Landesgeschichte bei Max Spindler. Von 1969 bis 1971 war er bei Wolfgang Zorn wissenschaftlicher Assistent am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität München. Fried war von 1972 bis 1974 Konservator am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. An der Universität Regensburg erfolgte 1972 die Habilitation mit einer Arbeit aus der bayerischen Agrargeschichte des 19. Jahrhunderts. Von 1974/79 bis 1993/94 lehrte Fried als erster Professor bayerische und schwäbische Landesgeschichte an der Universität Augsburg. Seit 1977 war er Mitglied der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Von 1980 bis 2000 war er Vorsitzender der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft bei der Kommission für bayerische Landesgeschichte.
Für seine Forschungen wurde Fried u. a. mit der Bayerische Verfassungsmedaille in Silber, der Schwäbischen Verdienstmedaille, dem Kulturpreis der Bayerischen Landesstiftung 2011 sowie dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt.
Schriften
• Herrschaftsgeschichte der altbayerischen Landgerichte Dachau und Kranzberg im Hoch- und Spätmittelalter sowie in der frühen Neuzeit. München 1962.
• Die ländlichen Rechtsquellen aus den pfalz-neuburgischen Ämtern Höchstädt, Neuburg, Monheim und Reichertshofen vom Jahre 1585. Sigmaringen 1983,
• Bayerisch-schwäbische Landesgeschichte an der Universität Augsburg 1975–1977. Vorträge, Aufsätze, Berichte. Sigmaringen 1979.
• Probleme und Methoden der Landesgeschichte. Darmstadt 1978.
http://de.wikipedia.org/wiki/Pankraz_Fried (02.10.2013)

Frietinger, Alois (1861-1922), Lehrer und Schriftsteller

Frietinger, Alois, *14.01.1861 in Dünzelbach bei Egling, + 25.01.1922 in Dünzelbach. Er war ein Lehrerssohn, besuchte die Präparandenschule Landsberg, Lehrer, dann Oberlehrer in München, Mitglied der Landesschulkommission und technischer Kursleiter des pädagogischen Seminars der königl. Universität München. Heimat- und Jugenderzähler.
Schriften:
Weiß und blau. Erzählungen, Sagen, Geschichtsblätter und Schilderungen für die bayerische Jugend. 2 Bde., 1893/94 (mehrere Auflagen);
Erzählungen zur Einführung in die Strafgesetzkunde. Für die Jugend und für das Volk unter Mitwirkung juristischer Kräfte. 1898;
Wie einer seine Mutter suchte. Eine Erzählung aus dem Leben für die Jugend und das Volk, 1900;
An der grünen Isar. Bilder aus alter Zeit (Illustrationen M. Krombach) o.J. (1900);
Blaue Blumen. Ein Buch für Mütter und Kinder (Hg.; Illustr. J. Mauder) o.J. (1909-14; mehrere Folgen);
Der Sachunterricht in der Sonntagsschule [...] 1911;
Der Lüftlmaler von Oberammergau, 1930; 3. Aufl. 1950 u.d.T.: Der Lüftlmaler von Oberammergau;
Fünfzig Geschichten und Bilder für die Kleinen, 1913:
Tandaradei. Ein Vers- und Geschichtenbuch. Ein letzter Gruß an die liebe Kinderwelt und deren Lehrer, 1922 (Vorwort H. Stieglitz)
Literatur: W.Kosch, D. Kathol. Dtl., Bd.1, 1933.

Hartl, Alois (1845-1923), Weihbischof

Alois Hartl (* 1. September 1845 in Nassenhausen, Pfarrei Grunertshofen; † 22. Juli 1923 in Teisendorf) war Weihbischof im Erzbistum München und Freising.
Er wurde als Sohn des Zimmermanns Joseph Hartl und dessen Ehefrau Katharina Heigl in Nassenhausen, heute Gemeinde Adelshofen, Landkreis Fürstenfeldbruck, geboren. Nach dem Besuch der Lateinschule in Scheyern und des humanistischen Gymnasiums in Freising legte er im August 1867 das Abitur als Klassenbester ab. Er wurde nach dem Studium der Philosophie und der Theologie an der Universität München am 29. Juni 1872 zum Priester geweiht.
Prinzregent Luitpold ernannte Alois Hartl am 18. März 1906 zum Domkapitular. Die Aufschwörung fand am 19. April 1906 statt. Am 31. Januar 1911 wurde Alois Hartl zum Ständigen Kommissar für die Gymnasien, Oberrealschulen und übrigen Realschulen im Bereich des Erzbistums ernannt. Seit März 1907 war er außerdem Rat am erzbischöflichen Konsistorium, seit 12. April 1907 Ehebandverteidiger.
Papst Benedikt XV. ernannte Alois Hartl am 16. Juni 1921 zum Titularbischof von Germaniciana und Weihbischof für das Erzbistum München und Freising; am 4. September 1921 fand die Bischofsweihe statt. Im gleichen Jahr erhielt er die Ehrendoktorwürde der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität München.
Alois Hartl initiierte und finanzierte zusammen mit seinem Bruder, dem Domdekan Martin Hartl (* 24. Mai 1849 in Nassenhausen; † 7. April 1925), den von 1914 bis 1916 währenden Bau der Kirche St. Martin in seinem Heimatort Nassenhausen, die am 25. April 1920 durch Erzbischof Michael Kardinal von Faulhaber geweiht wurde. Alois Hartl verstarb auf einer Firmungsreise an den Folgen eines Herzinfarktes und wurde in der Gruft der von ihm erbauten Kirche in Nassenhausen beigesetzt.
Ein bischöfliches Amtswappen von Alois Hartl war bisher auch mit Hilfe der Akten im Archiv des Erzbistums München und Freising nicht nachweisbar. Bleisteiner bildet ein unheraldisches Wappen ab, dessen Führung durch den Weihbischof jedoch sehr fraglich ist.
http://de.wikipedia.org/wiki/Alois_Hartl (02.10.2013)

Hundt, Wiguleus (1514-1588), Staatsmann und Historiker

Betritt man die Pfarrkirche Walleshausen durch das sog. Vorzeichen, so sind rechter Hand zwei Epitaphe eingemauert, das eine ist das Grabdenkmal der Eltern des Wiguleus Hundt, das bis nach dem Zweiten Weltkrieg im Inneren der Kirche in der Wand beim rechten Seitenaltar eingelassen war, in deren Nähe sich auch heute noch die Grablege Hundt befindet.

Wiguleus Hundt wurde am 22. Juli 1514 als fünfter Sohn des Wiguleus Hundt von Lauterbach und dessen zweiter Gattin Anna, der Tocher Wolfgang Glockners, eines Beamten von Herzog Wolfgang zu landshut, auf Schloß Kaltenberg bei Walleshausen geboren. Das Geschlecht der Hundt stammt aus dem salburgischen Pinzgau und ist seit Anfang des 15. Jahrhunderts auf Schloß Lauterbach bei Dachau ansässig. Schloß und Hofmark Kaltenberg kam durch Heirat des Wiguleus Hundt, Sohn des Hans Hundt zu Lauterbach, 1469 in den Besitz der Hundt, die beides bis 1612 innehatten.
Von seinem zehnten Lebensjahr an (seit 1524) studierte der junge Wiguleus Hundt die Grammatik zu Augsburg und zog dann, 16 Jahre alt, 1530 zum Studium an die Universität Ingolstadt. Er hörte dort vor allem juristische Vorlesungen, aber auch solche in anderen Fächern. 1535 begab sich Wiguleus Hundt zum Studium an die berühmteste Hochschule der damaligen Zeit, Bolonga.

Nach einem halbjährigen Aufenthalt zwang ihn ein Fieber zur Rückkehr in die Heimat. Hier erwarb er sich 1537 zu Ingolstadt den Doktorgrad des kaiserlichen Rechts. Mit 23 Jahren war er schon Professor, 1539 hatte man ihn zum Rektor gewählt. Im gleichen Jahr wurde er aber noch von Herzog Wilhelm IV. als Hofrat nach München berufen. In der Folgezeit diente Wiguleus Hundt als hoher Beamter unter den drei wittelsbachischen Herzögen Wilhelm IV., Albrecht V. und Wilhelm V.. 1548 wurde Dr. Hundt zum Assessor am Rechskammergericht zu Speyer ernannt, wo er vier Jahre tätig war. 1552 sitzt er wieder im Hofrat Herzog Albrechts V. in München . Seine Tätigkeit bestand vor allem in diplomatischen Missionen und Aufträgen. 1576 ernannte ihn der Herzog zum Präsidenten des Hofrats, der die älteste oberste Gerichts- und Polizeibehörde des Landes bildete. Später wurde er wahrscheinlich noch in den Geheimen Rat berufen. Für seine Verdienste wurde ihm 1579 der Grafentitel verliehen. Aus Altersgründen trat Wiguleus Hundt 1582 als Hofratspräsident zurück. Er starb am 18. Februar 1588 in München, in seinem 75. Lebensjahr. Dort wurde er in der alten Franziskanerkirche beerdigt, die an der Stelle des heuten Nationaltheaters stand.
Dr. Wiguleus Hundt ist nicht nur als hervorragender bayerischer Staatsmann sondern auch als Geschichtsschreiber berühmt. Er gilt als der wohl bedeutendste bayerische Historiograph nach Aventin. Seine Hauptwerke sind eine bayerische Kirchengeschichte (Metropolis Salisburgensis) und das „Bairisch Stammbuch“ eine Genealogie altbayerischer Adelsfamilien.
Die Verbindung von Wiguleus Hundt zum oberen Paartal ist durch seinen Geburtsort Schloß Kaltenberg gegeben, das bis 1940 in die Pfarrei Walleshausen gehörte. In der Pfarrkirche zu Walleshausen sind seine Eltern begraben, wie es das heute noch sichtbare Epitaph im Vorzeichen ausweist. Es ist sicher, dass der junge Wiguleus seine Kinderjahre auf Schloß Kaltenberg verbracht und die Gottesdienste in der Pfarrkirche zu Walleshausen besucht hat. Dass Dr. Wiguleus Hundt auch auf der Höhe seines Ansehens noch in Verbindung zur Pfarrkirche seiner Kindheit stand, beweist die Tatsache, dass er 1553 eine Wetterglocke an die Pfarrkirche zu Walleshausen stiftete, die heute noch im Turm hängt.

Die an diese Glocke sich rankenden Sagen haben noch eine dunkle Erinnerung an den „großen Hundt“ zu Walleshausen bewahrt. Auch die Magdalenenverehrung in Walleshausen kann vielleicht auf eine Initative der Hundt´schen Schlossherren zu Kaltenberg zurückgeführt werden.
Pankraz Fried

Kiesewetter, Peter (1945-2012), Komponist

Peter Kiesewetter * 1. Mai 1945 in Marktheidenfeld; † 3. Dezember 2012, war ein deutscher Komponist. Er lebte seit 1970 in Vogach (Gem. Mittelstetten).

Kiesewetter studierte ab 1966 Komposition bei Günter Bialas an der Musikhochschule München, der er anschließend als Dozent für Musiktheorie, Gehörbildung und Formenlehre verbunden blieb. Parallel studierte er Musikwissenschaft und arbeitete als Journalist, u. a. als Juror für den Preis der deutschen Schallplattenkritik. Als freier Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks komponierte er die Musik zu zahlreichen Feature- und Hörspielproduktionen des Schulfunks.
Ein Aufenthalt in Israel 1991 wurde zum Schlüsselerlebnis für Kiesewetter und prägte sein weiteres Schaffen. Viele seiner Stücke tragen Titel in hebräischer Sprache.
Als Dozent für Komposition wirkte Peter Kiesewetter zunächst am Richard-Strauss-Konservatorium München; 1991 wurde er Honorarprofessor für Komposition an der Münchner Musikhochschule, 1992 Professor an der Musikhochschule Hannover. Aufgrund einer schweren Krankheit musste er seine Lehrtätigkeit aufgeben.
Ehrungen, Mitgliedschaften
• 1983, 1984/85 Stipendium der Villa Massimo, Rom
• 2003 Gerda-und-Günter-Bialas-Preis der GEMA-Stiftung
• 2004 Ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
Kompositionen (Auswahl)
Orchesterwerke
• Purgatorio (Sinfonie Nr. 1, op. 50): siehe unter Vokalkompositionen
• Sinfonie Nr. 2. UA (1990er Jahre?) in Tel Aviv (Kibbutz Chamber Orchestra, Dirigent: Lior Shambadal [*1950])
• Balajla (1998) für Oboe d’amore und 14 Streicher (8.0.3.2.1)
• Canti Zoppi – Habanera (op.30c, 1999/2000, nach Domenico de’ Giovanni) für Salonorchester
• Prometeo (piccola mitologia per gran orchestra, op. 87), Aufnahme 2002 (BR-Schulfunk)Vokalkompositionen
• Tagelieder (op. 14; 1982) für Sopran, Horn und Klavier. Texte: Diepold von Hohenburg, Wolfram von Eschenbach. UA 4. März 1982 Nürnberg (Adelheid Maria Thanner [Sopran], Wilfried Krüger [Horn], Peter Kiesewetter [Klavier]). – Neufassung (1985). UA 14. März 1992 Nürnberg (Tafelhalle; KlangKonzepteEnsemble der Neuen Pegnitzschäfer)
• Canti Zoppi (op.30, 1999/2000, nach Domenico de’ Giovanni)
• Sancti Francisci Laudes Creaturarum (op. 45.)
• Fünf Lieder (op. 38) für gemischten Chor, Klarinette, Horn und Klavier (1988)
• Purgatorio (Sinfonie Nr. 1, op. 50). Texte: Michelangelo und Torquato Tasso). UA 1990 München (Musica viva). Aufnahme 1990 (Adelheid Maria Thanner [Sopran], Martin Haselböck [Orgel], Frauenchor des Bayerischen Rundfunks, Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Dirigentin: Alicja Mounk)
• Messe (op. 58) für vier- bis neunstimmigen gemischten Chor a cappella (1992-93), Kompositionsauftrag des Süddeutschen Rundfunks, UA 1993 beim Festival Europäischer Kirchenmusik in Schwäbisch Gmünd
• Musica Mariana (op. 59) für 4- bis 7-stimmigen gemischten Chor a cappella. Text: aus der lateinischen Bibel. UA 4. August 2001 Augsburg (Universität)
• Tefila Lemoshe (1994) für Sopran und Basszither. Text: Psalm 90 (hebräisch)
• Bereshit (op. 70; 1995/96). Azione sacra für Gesang, Sprecher, Zither, Schlagzeug und Viola. Texte: aus dem 1. Buch Mose. Aufnahme 2001 (Ensemble Bereshit: Adelheid Maria Thanner, Martina Koppelstetter [Gesang], Caroline Fink, Adelheid Maria Thanner, Peter Kiesewetter [Sprechstimmen], Georg Glasl, Leopold Hurt [Zither], Tobias Kästle, Rudolf Bauer [Schlagzeug], Kelvin Hawthorne, Gunter Pretzel [Viola])
• Der 104. Psalm (op.88, 2002) für 5-stimmigen gemischten Chor a cappella, UA 2003 Himmelfahrtskirche München-Sendling
• Der 36. Psalm (op.89, 2004) für Sopran und gemischten Chor, UA 2004 St.Bernhard Fürstenfeldbruck
• Exsultet, op.93 (2003) für Sopran und Orgel, UA Ostern 2003 St.Bernhard Fürstenfeldbruck
• Antigone, op.96 (2004) für Gesang und Klavier, UA 2004 Brecht-Literaturfest Abraxas Augsburg
• Trionfo della morte – Monumentum/Palimpsest, op.98 (2004) für Mezzosopran, Bariton, Viola, Harfe, Klavier, UA 2004 Bayerische Akademie der Schönen Künste München
• Vergine Bella, op.99 (2004) für Sopran, Laute und Orgel, UA 2004 Klosterkirche Fürstenfeld
• Hoho, lieber Hans, WoO/15 (1987, Text von Georg Forste) für 4-stimmigen Chor a cappella, UA 1987 München
• Christen, singt mit frohem Herzen, WoO/16 (1987, nach Michael Haydn) für 4stimmigen gemischten Chor a cappella, UA 1987 München
Kammermusik
• La Caccia für Schlagzeugquartett (1989). Aufnahme: Cabaza Percussion Quartet
• Bat-Kol (1990) für Flöte und Orgel
• Hed (1990)
• Shir (1990) für Viola
• Jeshimon (Wüste; nach 1991?) für Zither
• Shoshanim (1993)
• Shoshanim (1994)
• Bat-Kol (1994) für Flöte und Orgel
• Shalah – Nirga
• Gil (Freude) für Zither
• Konzertsuite Vineta (1994). Phantasiestücke für Alt- oder Diskantzither solo
Vineta – Im Nebel – Aus der Ferne – Fossilien – Erinnerung
• Konzertsuite La Batalla (1994). Spanische Miniaturen für 4 Diskantzithern
Don Quichote – Sancho Pansa – La Batalla
• Band 2 (1995/96): Erstes Greifen der linken Hand. Spiel- und Konzertstücke für 1–4 Diskantzithern
• Auswahl aus Band 1 und 2: Gil für Anfänger (1994-96)
• Labyrinth, op.71 (1995) für Harfe, Kontrabass und Schlagzeug. Aufnahme 2002 (Konstanze Licht, Axel Ruge, Tobias Kästle)
• Alla Ingharese… für Bläserquintett (1998; nach Beethovens Rondo Die Wut über den verlorenen Groschen [op. 129; ~1795/98])
• A Masque, op.77/2 (2000) für Nay und Kushnay (Flöte und Oboe)
• Excentriques, op.77/3 (2003) Bagatellen für Violine und Klavier
• Im Auge des Wirbelsturms, op.82 (1998) für Schlagzeugquartett. Aufnahme 1998 (Cabaza Percussion Quartet)
• Áristòn mèn hydor, op.92 (2002) nach Texten von Pindar für 4 Bässe und 4 Schlagzeuger
• Passatempo, op.94 (2003) für Klavier zu vier Händen, UA 2003 Braunschweig
• Sphinxes, op.100 (2005) für Klarinette, Klavier, Violine und Violoncello, UA 2005 Bluval-Festival Straubing
Hörspielmusik
zur Reihe Es war einmal – Märchen der Brüder Grimm (Produktion: Schulfunk des BR, 1995; Münchner Rundfunkorchester, Dirigent: Antony Beaumont; Sprecher: Rolf Illig [Erzähler], Leo Bardischewski, Richard Beek, David Bennent, Anne-Marie Bubke, Thomas Holtzmann, Karin Kernke, Helga Roloff, Siemen Rühaak, Helmut Stange [*1929], Jochen Striebeck, Rudolf Wessely u. a.)
zu einer Szene aus Hanneles Himmelfahrt von Gerhart Hauptmann (Produktion: Schulfunk des BR, 1990er Jahre?)
Schüler von Peter Kiesewetter
• Josef Hauber (*1944)
• Nikolaus Brass (*1949)
• Eberhard Adamzig (*1950)
• Klaus K. Hübler (*1956)
• Magret Wolf (*1960)
• Helga Pogatschar (*1966)
• Jörg Duda (*1968)
• Tobias Kästle (*1968)
• Leopold Hurt (*1979)

nach Wikipedia (22.10.2013)

Klostermayr, Matthias (1736-1771), Räuber

Matthias (eigentlich Matthäus) Klostermayr, der Bayerische Hiasl (auch der Bayerische Hiesel), (* 3. September 1736 in Kissing; † 6. September 1771 in Dillingen an der Donau) war ein Wilderer und Anführer einer „gerechten Räuberbande“ im damaligen schwäbisch-bayerischen Grenzgebiet.
Nachdem sein Wildererkumpan „Sternputz“ zur Strecke gebracht worden war, überfiel Klostermayr mit seiner aus bis zu 30 Personen bestehenden Bande auch Amtsstuben und andere öffentliche Einrichtungen. So erpresste er vom Amtmann in Täfertingen Steuergeld, das er unter der Bevölkerung wieder verteilte. Klostermayr wurde am 14. Januar 1771 von einer militärischen Truppe des Schwäbischen Kreises unter Premierleutnant Josef Schedel im Gasthof Post in Osterzell nach einem Feuergefecht festgenommen und später in Dillingen an der Donau spektakulär hingerichtet (erdrosselt, anschließend zertrümmert, geköpft und gevierteilt).
Matthias Klostermayr war schon zu Lebzeiten berühmt und berüchtigt. Für viele Zeitgenossen aus ärmeren Schichten war er ein Volksheld, obwohl zahlreiche Gewaltverbrechen an Unschuldigen auf sein Konto gingen. Er lebt bis heute in zahlreichen Anekdoten, Liedern und Legenden weiter. Friedrich Schiller soll den Bayerischen Hiasl als Vorbild für den Karl Moor in seinem Stück Die Räuber genommen haben.
Der „Bayrische Hiasl“
„Mattheus Klostermair“ (laut Taufregister) kam am 3. September 1736 im Anwesen Nr. 164 in Kissing zur Welt. Sein Geburtshaus „zum Brentan“ wurde 1931 abgerissen. Ein altes Foto in Privatbesitz zeigt ein einfaches, einstöckiges Söldnerhaus, dessen originaler Grundriss bis 1921/22 erhalten geblieben sein soll. Warum der auf den Namen Matthäus getaufte Klostermayr später nur Matthias genannt wurde, ist unklar. Seit seinem 12. Lebensjahr musste er sich auf dem nahen Schlossgut Mergenthau verdingen, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Mit 16 Jahren verlor er seine Mutter Elisabeth.
Die Mergenthauer Jesuiten beschäftigten den jugendlichen Klostermayr anschließend ungefähr zweieinhalb Jahre als Jagdgehilfen und Aufseher. „Hiasl“ verlor diese einträgliche Anstellung jedoch wegen eines harmlosen Faschingsscherzes. Er hatte einen Pater Venantius, der auf der Jagd versehentlich eine Katze erschossen hatte, als „Katzenschützen“ verspottet. Nach dem Verlust seiner Anstellung begann der „Brentanhiasl“ mit der Wilderei, da ihm auch das Jagen mit dem Ortsjäger verboten wurde.
Später diente er dem „Seheranserbauern“ Baumiller als Knecht und begann ein Verhältnis mit dessen Tochter Monika. Aus dieser Verbindung ging ein Sohn mit dem Namen Korbinian hervor. Durch den unsteten Lebenswandel Klostermayrs kam es zu Spannungen mit dem „Seheranserbauern“, dem sicherlich auch die Liebschaft des „Hiasl“ mit seiner einzigen Tochter nicht besonders gefiel. Im Alter von 25 Jahren verließ der Knecht deshalb den Hof und schlug sich fortan als Wilderer durch. Er konnte sich aber nicht von seiner Kissinger Heimat und besonders von seiner Geliebten trennen.
Das Treiben des Wildschützen, der bei der Bevölkerung sehr beliebt war, zwang die Obrigkeit bald zu Gegenmaßnahmen. „Um das ein Ruh’ werd zu Kissing“ beantragte der Schulmeister und Mesner Huber 1761 die Aushebung des „Hiasl“ als Rekruten. Klostermayr entzog sich jedoch rechtzeitig durch seine Flucht über den Lech ins „ausländische“ (schwäbische) Oberottmarshausen.
Hier im Schwäbischen erhielt er auch seinen Spitznamen „Bairischer Hiasl“, da Kissing zum Kurfürstentum Bayern gehörte. Die ausgedehnten Forste auf der linken Lechseite boten dem Wilderer reiche Jagdgründe. Bereits zu dieser Zeit hatte sich der „Hiasl“ einigen Ruhm erworben. Besonders die Bauern schätzten seine Mithilfe bei der Dezimierung des Wildbestandes, der beträchtlichen Schaden auf den Feldern anrichtete. Einmal sollen sogar zwei Bauern den Wildschützen als Abgesandte ihres Dorfes aufgesucht und ihm 15 Taler übergeben haben. Der Hiasl sollte dafür das Wild in ihrer Feldmark wegschießen.
Klostermayr wurde gefasst und musste ein Dreiviertel Jahr im Zuchthaus zu München verbringen. Der bayerische Kurfürst wollte ihn sogar zum kurfürstlichen Jäger ernennen, obwohl Wilddieben eigentlich die Todesstrafe drohte.
Der Wildschütz zog es jedoch vor, sein bisheriges freies Leben weiterzuführen. Der charismatische Kissinger wurde zum Anführer verschiedener Wilderer- und Räuberbanden, die ihre Beute angeblich teilweise an die Armen verteilten. Aus diesem Grunde wurde der „Hiasl“ rasch zum Volkshelden und ließ sich sogar in Kupferstichen verewigen. Die bekannteste dieser Darstellungen zeigt „Mathias Clostermayr“ in selbstbewusster Haltung zusammen mit seinem „Jung“ (aus Baierberg bei Mering) und dem „grossen Hund“ Tyras von der Putzmühle bei Steindorf. Eine Version dieses Stiches diente dann auch als Frontispiz des – nur kurz nach der Hinrichtung erschienenen – anonymen Büchleins vom „Leben und Ende des berüchtigten Anführers einer Wildschützenbande…“ (1772).
Insgesamt wurden dem „Hiasl“ und seinen Gefährten zwölf gewaltsame Überfälle, acht Landfriedensbrüche und neun Totschläge zur Last gelegt. Die „Eidgenossen“ demütigten die Obrigkeit wo sie nur konnten. Sie überfielen regelmäßig Jäger und Amtsleute und nahmen deren Waffen an sich. Klostermayr war dabei stets unmaskiert. Seine Gefolgsleute kamen wie er meist aus kleinbäuerlichen Verhältnissen.
Die Banden konnten sich mehrere Jahre weitgehend ungestört im schwäbisch-bayerischen Grenzgebiet halten. Bei Gefahr wechselte man einfach über eine der zahlreichen Grenzen in ein anderes Territorium. Die Wildschützen wurden oft von der Bevölkerung versorgt und gewarnt, die dafür ihren Anteil an der Jagdbeute erhielt. Klostermayr suchte weiterhin regelmäßig den Heimatort und seine Familie auf und konnte sich dort relativ sicher fühlen.
Im Dezember 1770 begannen jedoch in Dillingen die Vorbereitungen zu einer militärischen Expedition gegen den „Hiasl“ und seine Männer. Am 14. Januar wurde die Bande im Osterzeller Wirtshaus in die Falle gelockt. Der Fürstbischöflich-Augsburgische Premier-Lieutenant Schedel ließ das Gasthaus von etwa 300 Soldaten umstellen. Vorher war das Pulver der Wilderer durchfeuchtet worden. Trotzdem gelang es erst nach vier Stunden, die Freischützen auszuräuchern und gefangen zu nehmen.
Nach einem mehrmonatigen Prozess in Dillingen wurde der „Bayrische Hiasl“ zum Tode verurteilt und am 6. September 1771 an der Donaubrücke der Stadt hingerichtet. Angeblich wickelte man den Verurteilten nach der Verlesung der Urteils in eine frische Kuhhaut und schleifte ihn vom Rathaus zur Hinrichtungsstätte. Dort angekommen, soll er die Beichte abgelegt, noch ein Glas Wein getrunken haben und dann gefasst auf das Schafott gestiegen sein. Zuerst wurde Klostermayr mit einem Strick erdrosselt, dann der Körper auf einer „Radbrechmaschine“ zertrümmert. Schließlich schlug der Henker Klostermayrs Kopf ab und vierteilte den Körper. Den Kopf steckte man an den Dillinger Galgen, die Körperteile wurden in Dillingen an der Donau, Füssen, Oberstdorf und Schwabmünchen öffentlich ausgestellt. Noch am gleichen Tag richtete man zwei Mitglieder der Bande durch das Schwert. Johann Adam Locherer, genannt „der Blaue“ aus Rain starb im Alter von 25 Jahren. Johann Georg Brandmaier, „der Rothe“ aus Steindorf, im Alter von 20 Jahren.
Andreas Mayr, der mitangeklagte jugendliche Diener und Gefährte („Bub“) des „Hiasl“, konnte aus dem Gefängnis fliehen und sich über die Alpen in Sicherheit bringen. Mit ihm sollen vier weitere Mitglieder der Bande entkommen sein. Der zeitgenössische Steckbrief nennt allerdings nur drei weitere Ausbrecher: Joseph Porth, der „Amberger Seppl“; Urban Lechenhör, genannt „der Allgäuer“ und Joseph Ortlieb, der „Sattler“.
Das einfache Volk betrauerte den Volkshelden bereits kurz danach in zahlreichen Volksliedern und Theaterstücken.

Die Tatorte und Delikte
Das heutige Schwaben war im 18. Jahrhundert in zahlreiche kleine Herrschaften zerrissen. Neben dem Hochstift Augsburg waren hier das Augsburger Domkapitel, die Fürstabtei Kempten und zahlreiche weitere Klöster und Stifte begütert. Andere Gebiete gehörten dem Adel, etwa den Grafen Fugger, Waldburg-Zeil oder Stadion. Auch die Reichsstädte Ulm und Augsburg und das Haus Österreich hatten ihren Anteil am territorialen „Fleckerlteppich“.
Diese Kleinräumigkeit bot der Hiaslbande idealen Schutz und beste Bedingungen. Man wechselte alle vier bis sechs Wochen in ein anderes Territorium, während die Behörden die Spur der Wildschützen ursprünglich nur bis zur jeweiligen Grenze verfolgen durften. Wesentlich gefährlicher war hier der Aufenthalt im kurfürstlich bayerischen Gebiet, wo die Verfolger der Bande über große Entfernungen nachsetzen konnten. Aus diesem Grund waren die Freischützen nahezu ausschließlich auf der westlichen Lechseite unterwegs.
Von den 50 Delikten, die den „Eidgenossen“ im Dillinger Prozess vorgeworfen wurden, spielten sich deshalb nur zwei im bayerischen Gebiet ab (Jagdbezirk Wildenroth, heute Landkreis Fürstenfeldbruck). Elf fanden im heutigen Landkreis Ostallgäu statt, im Landkreis Augsburg waren es zehn. Im Unterallgäu und Württemberg zählte man sieben, im Oberallgäu einen, in Dillingen an der Donau sechs, in Günzburg ebenfalls sechs und im Augsburger Stadtgebiet zwei Übergriffe Klostermayrs und seiner Leute.
Der südlichste Tatort lag bei Altusried nördlich von Kempten, der nördlichste bei Lauingen an der Donau. Im Westen wagte sich die Bande bis vor die Tore Ulms (Oberelchingen), im Osten bis Wildenroth im Kurfürstentum Bayern. Alle Delikte fielen in die Jahre zwischen 1766 und 1771.
Die Verhaftung der Hiaslbande wurde durch ein Abkommen der Fürsten und Stände des Schwäbischen Kreises zur Eindämmung des Wildererunwesens vom 22. Juni 1769 vorbereitet. Die Grundherren vereinbarten darin gegenseitige Amtshilfe und erlaubten sogar die sofortige Vollstreckung der Todesstrafe durch den Strang. Die Behörden konnten nun die Freischützen leichter über die Grenzen hinweg verfolgen, zumal auch die Begünstigung der Wildschützen und die Abnahme der Jagdbeute unter schwerste Strafe gestellt wurden. Um die Banden Klostermayrs und anderer Wildschützen hatte sich ein regelrechtes Netz von Hehlern und Teilhabern gebildet.
Die neun Morde und Totschläge der Bande resultierten meist aus den Zusammenstößen mit den Jägern und Soldaten der jeweiligen Grundherrschaft. Den Gerichtsprotokollen zufolge scheint besonders Klostermayr selbst nicht zimperlich mit seinen Widersachern umgegangen zu sein und manchen Amtmann oder Jäger eigenhändig mit dem Gewehrkolben misshandelt und gequält zu haben.
Der „kugelfeste“ Hiasl
Bedingt durch die territoriale Zersplitterung Schwabens gelang es dem Hiasl immer wieder, seinen zahlreichen Verfolgern zu entkommen. Die damals noch sehr abergläubische Bevölkerung dichtete ihrem Helden so wie einigen anderen Freischützen deshalb einige Legenden an. Sie galten als „kugelfest“, vielleicht sogar mit dem Teufel im Bunde. Aus der Zeit des frühen Dreißigjährigen Krieges stammt der Aberglaube von der „Passauer Kunst“, der sich auch der Hiasl bedient haben soll. Hierzu musste man mit Zaubersprüchen beschriebene Zettel des Passauer Scharfrichters Kaspar Neithard oder des Studenten Christian Elsenreiter verschlucken und war danach angeblich unverwundbar.
Klostermayr scheint diese Legenden um seine Person regelrecht genossen und unterstützt zu haben. So präsentierte er den staunenden Bauern angeblich Büchsenkugeln, die er mit der bloßen Hand gefangen haben wollte.
Nachwirkung
Bereits zu Lebzeiten des „Hiasl“ begann die Legendenbildung um den Wildschützen und bayerischen Robin Hood. Für die ärmeren Schichten war er ein Volksheld und Wohltäter. Fürsten und höhere Geistlichkeit sahen in ihm einen Kriminellen. Sie betrachteten das Jagdrecht als Privileg, das allein ihnen selbst zustand. Die Kleinbauern und Söldner mussten der Herrschaft oft unentgeltlich als Jagdgehilfen und Treiber dienen und sogar einen Jagdhund bereithalten.
Der „Hiasl“ galt als besonders trefflicher Freischütze. So manche Wetterfahne um und in Kissing trägt noch heute ein Einschussloch, das auf einen Kunstschuss Klostermayrs zurückgehen soll.
Der „Hiasl“ ist noch heute das Vorbild vieler Wilderer und sonstiger Revolutionäre. In der Zeit der „Aufklärung“ war Klostermayr natürlich ein ideales Symbol des Widerstandes gegen die absolutistische Anmaßung von Adel und Klerus. Der Mythos des „Hiasl“ verbreitete sich rasch über den gesamten „bairischen“ Sprachraum und darüber hinaus. Teilweise wurden seine Taten mit denen anderer Revoluzzer verbunden. So wurde der „Erzbösewicht aus der Lechau“ in Tirol zum „Wildschütz Franzl“ , in Mähren zum „Schwarzen Martin“ und in Wien zum „Buam“. Auch die Schauplätze seiner Heldentaten wurden in das jeweilige Gebiet verlegt, etwa auf die Radstätter Alm in Tirol.
Die Verbreitung der zahlreichen Hiaslgeschichten reicht von Nürnberg bis nach Trient, von Eger bis zum Neusiedler See, von Graz bis nach Bozen. Er wurde zu einer bajuwarischen Heldengestalt, deren Andenken noch heute eifrig gehuldigt wird. Viele Wirtshäuser sind nach dem „Hiasl“ benannt, Traditionsvereine halten sein Andenken in Ehren.
Sein Nachruhm drückt sich besonders in zahlreichen Volksliedern, Bühnenstücken und literarischen Darstellungen aus.
2006 wurde auf Gut Mergenthau bei Kissing die „Hiasl-Erlebniswelt“ eröffnet, die das Leben des Wildschützen und Räuberhauptmannes thematisiert. Neben verschiedenen ausgestellten Originalstücken wird das Leben Klostermayrs in einigen Dioramen und Schaubildern dargestellt.
nach: http://de.wikipedia.org/wiki/Matthias_Klostermayr (01.10.2013)

Kögler, Ignaz (1680-1746), Jesuit, Missionar

Ignaz Kögler (chinesisch 戴進賢 / 戴进贤, Pinyin Dài Jìnxián; * 11. Mai 1680 in Landsberg am Lech; † 30. März 1746 in Peking) war ein deutscher Jesuit und Missionar.
Als Handwerkersohn geboren, besuchte er zunächst das Jesuitengymnasium in seiner Heimatstadt Landsberg. Nach seinem Ordenseintritt wurde er 1712 Professor für Mathematik, alte Sprachen und Hebräisch an der Universität Ingolstadt. 1716 entsandte ihn die Ordensleitung auf seinen Wunsch hin als Missionar nach China.
Dort machte Kögler am Hof der Qing-Kaiser, die weniger an der christlichen Religion als vielmehr an den wissenschaftlichen und kulturellen Errungenschaften der Europäer interessiert waren, schnell Karriere. 1720 ernannte ihn Kangxi zum Leiter des Astronomischen Amtes in Peking sowie der Kaiserlichen Sternwarte. In dieser Funktion war Kögler auch für die Überwachung des chinesischen Kalenders zuständig. Wie die meisten seiner Ordensbrüder sprach er sich für die sog. Akkommodation aus, wonach den zum Christentum bekehrten Chinesen die Beibehaltung der äußeren Riten und Zeremonien der tradierten Religionen gestattet sein sollte. Auch nachdem Papst Benedikt XIV. 1742/44 durch die Bullen Ex quo singulari und Omnium solicitudinum diese Praxis ausdrücklich verboten (Ritenstreit) und der Druck des Kaiserhauses auf die christlichen Missionare in China zugenommen hatte, blieb Kögler davon weitgehend unberührt. Als Mandarin der 2. Klasse genoss er das besondere Vertrauen und den Respekt von Kaiser Qianlong.
Kögler profilierte sich auch als Schriftsteller. Seine Werke erschienen teils in lateinischer, teils in chinesischer Sprache. Exemplarisch seien sein Versuch einer Geschichte der Juden in Sina und Beschreibung der jüdischen hl. Bücher in der Synagoge zu Kaifongfu (Notitiae SS. Bibliorum Iudaeorum in imperio Sinensi; Halle 1806) genannt.
Nach seinem Tod 1746 wurde er im Kreise seiner Ordensbrüder auf dem Missionarsfriedhof Zhalan am Westrand von Peking bestattet.
Außerdem wurde nach ihm eines der Gymnasien in Landsberg am Lech benannt, das Ignaz-Kögler-Gymnasium.
http://de.wikipedia.org/wiki/Ignaz_Kögler (01.10.2013)

Kollmann, Jakob Anton (1728-1787), Pfarrer und Schulreformer

Jakob Anton Kollmann war Kurfürstlicher Geistlicher Rat bei Unserer lieben Frau in München. Förderer des Schulwesens in Bayern, war maßgeblich beteiligt an der Einführung der Schulpflicht 1770.
Er wurde am 24. Juli 1728 in Friedberg/Bayern als Sohn eines Försters und Jägers geboren, studierte bei den Jesuiten in Augsburg und erhielt 1752 die Priesterweihe. Danach ging er als Hofmeister nach Linz und kam nach vier Jahren zurück in seine Heimatstadt, wo er Stadtkaplan wurde. „Er besaß eine überaus glückliche und gleichsam angebohrne Gabe zu überreden, und hatte das, was man im Vortrag populär nennt, ganz in seiner Gewalt. Seine Predigten zogen ihm daher eben so bald einen eben so ausserordentlichen Ruf, und Zulauf des Volkes zu, als ihn sein gefälliges und verdienstliches Betragen überall beliebt, und berühmt machte.“. Am 7. April 1761 übernahm er die Pfarrei Mering, welche er bis 1766 versah. In Mering muss er nicht sonderlich glücklich gewesen sein, weil es „ zwischen ihme, dann dem Churfürstlichen Pflegs Commisario zu Mehring, und Unterthanen, große Zwistigkeiten ergeben [haben], er auch mit der Zeit noch viele Trangsallen und Verfolgungen zu jedermanns Ärgernuß zugewarthen hette“, wie es aus seinem Bewerbungsschreiben für die Pfarrei Hochdorf hervorgeht. Am 1. August 1766 erhielt er – unter 65 Bewerbern – die hoch dotierte Pfarrei Hochdorf. Der schlossartige Pfarrhof gibt noch heute beredten Eindruck vom Reichtum dieser Pfarrpfründe, er war dort fast fünf Jahre Pfarrherr. 1770 erhielt er den Ruf als „frequentierender churfürstl. wirklicher geistlicher Rath“, mit „einer Präbende [= Pfründe] an der churfürstl. Collegiatkirche zu U. L. Frauen“ nach München. Er wurde kurfürstlicher Geistlicher Rat am Hofe in München. Im Jahr 1773 wurde er mit dem Herrn von Steeb „Concommissair“ über die bürgerlichen und von 1774 bis 1777 auch über die „sämtlichen lateinischen oder gymnastischen Schulen“ des ganzen Landes.
Die Ursache für diesen steilen Aufstieg liegt in seiner frühen engagierten Parteinahme für die Ziele der bayerischen Spätaufklärung. Während des sogenannten Bayerischen Hexenkrieges, einer der größten nationalen Aufklärungsdebatten in Deutschland, die 1766 aus dem engeren Umfeld des bayerischen Kurfürsten Max III. Joseph in einem weltanschaulichen Machtkampf bewusst inszeniert worden war, hatte sich Kollmann engagiert an der Debatte über die Abschaffung der Hexenverfolgung beteiligt.
Die bayerischen Geistlichen, die sich 1767–70 offen auf die Seite der Münchner Aufklärer stellten, wurden in der Folgezeit großzügig gefördert. Der Aufklärer Theatinerpater Don Ferdinand Sterzinger wurde zum Direktor der Historischen Klasse der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ernannt, Hermann Braun und Jakob Anton Kollmann wurden beide mit einer Kanonikatspfründe in München ausgestattet und in den Geistlichen Rat aufgenommen. Beide wurden mit einem für die Aufklärer zentral wichtigen Bereich betraut, nämlich mit der Reform beziehungsweise dem Neuaufbau eines öffentlichen Schulwesens in Bayern. Wenn man bedenkt, dass die Aufklärer falsche Erziehung für die Wurzel alles Aber- und Hexenglaubens hielten und die Ordensschulen dafür mit verantwortlich gemacht worden waren, so erscheint dieser Einsatz von Braun und Kollmann als konsequent. Kollmann war ein begeisterter Pädagoge und ein besonderer Freund der Bedürftigen. Gemeinsam mit dem Münchner Weinwirt Albert stiftete er die sogenannte mildtätige Gesellschaft. Diese karitative Gesellschaft stellte der Berliner Aufklärer Friedrich Nicolai (1733–1811) als eine vorbildliche Einrichtung in Bayern heraus. Er schrieb: „Weitaus nützlicher, wenn auch lange nicht so bekannt wie der Liebesbund, ist die Mildtätige Gesellschaft in München. 1779 von dem geistlichen Rat Kollmann und dem Gastwirt Albert gegründet, war die Zahl der freiwilligen Mitglieder bis 1781 schon auf 203 angestiegen; unter ihnen gilt der Kurfürst ebenso wie ein Bauer. Diese Gesellschaft verlangt überhaupt keine Andachtsübungen und gibt an laufende Bettler grundsätzlich keine Gaben, denn ihren Hauptzweck sieht sie darin, verarmte Bürger oder sogenannte schamhafte Arme aufzusuchen, sie zu unterstützen und Arme Kinder bei Handwerkern unterzubringen, damit sie etwas lernen können.“
Kollmann verunglückte am 5. Oktober 1787 in Affing (Landkreis Aichach-Friedberg) durch einen versehentlich losgegangenen Gewehrschuss tödlich. Nach Aussage des bayerischen Geschichtsschreibers Lorenz Westenrieder (1748–1829) war er „ein lehrreicher, ein besonderer, und weil er es durch seine Bildung geworden ist, ein ganz besonders charakteristischer Mann“.
Den Nachruf hielt der damalige Akademiepräsident Lorenz Westenrieder: „Unser Vaterland liebte er enthusiastisch, und redete, nach altem Herkommen, über die Angelegenheiten und Schicksale desselben öffentlich, was er wußte, und dachte frey und unerschrocken. Er war den Bedürftigen ein mitleidiger und wohlthätiger Mann, und guten Menschen ein warmer, standhafter, mit Rath und That thätiger und aushaltender Freund.“

Literatur: Toni Drexler: Geistliche Wilderer. In: Toni Drexler/Reinhard Jakob (Hg.:) Im Wald da sind die Räuber, Jexhof-Heft 18, Fürstenfeldbruck, 2002, S. 11-20.

Lindl, Ignaz (1774-1846), Priester

Ignaz Lindl (* 3. Oktober 1774 in Baindlkirch, heute zu Ried bei Mering; † 23. Juni 1846 in Barmen) war ein katholischer Priester. Er gründete mit seinen Anhängern 1822 das Dorf Sarata, eine Ansiedlung von Bessarabiendeutschen in Bessarabien.
Wirken in Deutschland
Lindl wurde in Baindlkirch nahe dem heutigen Ried (bei Mering) in Bayern als Sohn der Gastwirte Urban und Monika Lindl, geborene Friedl, geboren. Er hatte acht Geschwister. Er studierte am damaligen Jesuitenkolleg St. Salvator in Augsburg und in Dillingen. 1799 wurde er zum Priester geweiht und erhielt die Kaplanstelle in seinem Heimatdorf. 1818 wurde ihm die Pfarrei entzogen wegen Gefährdung des kirchlichen Friedens aufgrund seines Eintretens für die Erweckungsbewegung. Er trat eine neue Stelle in Gundremmingen an. Dort unterhielt er weiter Kontakte zu Anhängern der Allgäuer Erweckungsbewegung. Diese katholische Bewegung trug ökumenische Züge und äußerte sich in Form von öffentlichen Predigten und der Befürwortung von gemeinsamem Eigentum und einfachen strengen Riten wie im vermuteten Urchristentum. Als Lindl 1818 durch Erlass von König Maximilian I. seine erste Pfarrei verlor und in Gundremmingen eine neue fand, wo er Predigten vor mehreren Tausend Menschen abhielt, musste er auch dort gehen.
Wirken in Russland
Lindl traf mit dem russischen Zaren Alexander I. zusammen, der zu dieser Zeit in Deutschland weilte. Der Zar als Freund der Erweckungsbewegung bot Lindl eine Zufluchtsstätte an und Lindl forderte seine Anhänger auf, ihm zu folgen.
Zunächst predigte er in Sankt Petersburg in Russland. Er konnte dort dem Zaren seinen Wunsch vortragen, im russischen Süden (damals Neu-Russland), im Gebiet von Odessa, eine Gemeinde zu gründen. In Sankt Petersburg lernte er den Deutschen Alois Schertzinger kennen, mit dem er den Plan zur Gründung eines Dorfes in Bessarabien entwickelte. Dort 1820 eingetroffen fand allerdings unter den dortigen Katholiken keine Zustimmung zu seinen Ideen. Darum begann er in seiner alten Heimat mit Hilfe des wohlhabenden Kaufmanns Christian Friedrich Werner aus Württemberg und dessen Geschäftsteilhaber Gottlieb Veygel, um Auswanderer nach Bessarabien zu werben. Mit ihnen gründete er die neue Kolonie Sarata.
Gründung von Sarata
Sarata entstand 1822 als Neugründung auf vom russischen Zaren Alexander I. zugewiesenen 16.000 Deßjatinen Land in Bessarabien als bessarabiendeutsches Kolonistendorf. Gründer waren etwa 70 Auswandererfamilien aus Bayern und Württemberg sowie ihr Anführer, Ignaz Lindl. Die Familien waren katholischen wie evangelischen Glaubens. Die Kolonisten trafen in Planwagen am 19. März 1822 am Fluss Sarata ein und bauten das Dorf auf.
Ausweisung
Lindl mit seiner charismatischen Ausstrahlung und seiner großen Zuhörerschaft unter den Gläubigen – in St. Petersburg und Bessarabien kamen bis zu 10.000 Menschen zu seinen Predigten – hatte auch Feinde. Sie klagten ihn beim Zaren als Volksaufrührer und Sektenführer an. Hinzu kam, dass er als katholischer Priester mit seiner Haushälterin Elisabeth Völk, Schwester des bayrischen Kaplans Martin Völk (*1787), die Ehe einging und Kinder hatte. Daraufhin wurde Lindl 1823 vom russischen Zaren binnen 72 Stunden des Landes verwiesen, erhielt jedoch von diesem noch 2000 Rubel Reisegeld. Lindl verließ mit seiner Familie Russland und hielt sich 1824 für einige Monate in Berlin auf, ehe er nach Barmen ging.
Werners Firmenteilhaber Gottlieb Veygel übernahm als Bürgermeister die Leitung der Gemeinde Sarata, die evangelisch wurde. Er beendete die von Lindl eingeführte Gütergemeinschaft und verteilte das Land an die Familien. Auf der ursprünglichen Landmenge von 16.000 Deßjatinen entstanden in den 1830er Jahren die bessarabiendeutschen Dörfer Gnadental und Lichtental.
http://de.wikipedia.org/wiki/Ignaz_Lindl (01.10.2013)

Luidl, Lorenz (1645-1719), Bildhauer

Lorenz Luidl (* um 1645 in Mering; † 14. Januar 1719 in Landsberg am Lech) war ein bayerischer Barockbildhauer.
Lorenz Luidl ist das bedeutendste Mitglied einer weitverzweigten Bildhauersippe im westlichen Oberbayern. Schon sein Vater Michael († 1683) unterhielt im kurbairischen Markt Mering eine Bildhauerwerkstatt. Von 1662 bis 1667 bestritt er eine Bildhauerlehre bei David Degler in Weilheim. 1668 ist er als Bürger der Stadt Landsberg aufgenommen worden und im selben Jahr heiratete er Maria Miller († 1678). Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau ehelichte er 1678 die Bäckerstochter Ursula Ludwig. 1669 kaufte er ein Haus in der Ledergasse und 1679 ein weiteres Haus in der Nachbarschaft. 1699 wurde Luidl in den äußeren Rat der Stadt berufen. 1717 übergab er seine Werkstatt und des Gesamtvermögen an den Sohn Johann Luidl (* 1686 in Landsberg, † 1765 in Landsberg). Neben diesem waren die Söhne Ferdinand (* 1670, † 1736 in Hegelhofen b. Weissenhorn) und Stephan (* 1684, † 1736 in Dillingen) als Bildhauer tätig. Weitere Familienmitglieder die Bildhauer waren sind sein Bruder Adam Luidl († 1681 in Dachau) sowie die Vettern Joseph (* 1682, † um 1729 in Mering) und Gabriel (* 1688, † 1748 in München). Die Luidl-Werkstatt in Landsberg gehörte zu den produktivsten Bildhauerwerkstätten im ausgehenden 17. und beginnenden 18. Jahrhundert in Bayern. Die Luidls statteten vor allem in Oberbayern und Mittelschwaben Kirchen und Klöster aus.
Zu den charakteristischen Merkmalen der Luidl-Plastiken gehören die bewegte Gesamthaltung der Figuren und der manieristische Faltenwurf der Gewänder.
Werke (Auswahl)
• 1671 Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt (Landsberg am Lech), Christus auf dem Palmesel
• 1670–1676 Schwabmünchen, Frauenkapelle, Tragengel vom Hochaltar
• 1675/85 St. Vitus (Egling an der Paar), Lk. Landsberg, Ölbergkapelle, Ölberggruppe
• Um 1670/80 Scheuring, Lk. Landsberg, Johanneskirche, Kruzifix, Muttergottes (um 1680), Hl. Michael (um 1680/90) u. Hl. Sylvester (um 1680/90)
• Um 1680 Stoffen, Lk. Landsberg, Pfarrkirche, Kanzel mit den vier Kirchenlehrern u. Hl. Sylvester, Dachungsengel
• 1680/90 Geretshausen, Lk. Landsberg, Pfarrkirche, Apostelfiguren
• 1680/90 Lengenfeld, Lk. Landsberg, Filialkirche, am Hochaltar Hl. Johannes der Täufer u. Franz von Assisi, Dachungsengel u. Pietà
• Um 1680/90 bis 1711 Thaining, Lk. Landsberg, Ausstattung der St. Wolfgangskapelle
• um 1680 Dettenhofen, Lk. Landsberg, Filialkirche, Hochaltar mit Hl. Markus, Nikolaus, Martin, Leonhard und Laurentius
• 1681 Landsberg, Stadtpfarrkirche Unserer Lieben Frau, Figuren des Hochaltars
• Um 1686 Oberfinning, Lk. Landsberg, Pfarrkirche, Taufe Christi, Hl. Veronika, Hl. Petrus sowie zahlreiche weitere Heiligenfiguren
• 1687 Eresing, Lk. Landsberg, Pfarrkirche, Hl. Konrad u. Narzissus, Tragfigurengruppe Hl. Familie (um 1700)
• Um 1690 Vilgertshofen, Lk. Landsberg, Wallfahrtskirche, Armeseelenaltar mit zwei stehenden Engeln, Gottvater u. sechs Putten; Christus im Grabe u. elf Engel mit Leidenswerkzeugen (Anf. 18. Jh.)
• 1690 Hörbach, Lk. Fürstenfeldbruck, Pfarrkirche, Kruzifix; Altarfiguren Hl. Andreas, Wolfgang, Sylvester, Sebastian, Maria (Anfang. 18. Jh.)
• 1691 Sankt Ottilien, Lk. Landsberg, Schlosskapelle, Hl. Florian u. Bartholomäus
• 1693 Hagenheim, Lk. Landsberg, Pfarrkirche, Hochaltarfiguren, 2 Leuchterengel
• 1695 Prittriching, Lk. Landsberg, Frauenkirche, bedeutende einheitliche Ausstattung
• Ende 17. Jh. Penzing, Lk. Landsberg, Pfarrkirche, Tragfigur der Muttergottes, Hl. Ignatius u. Stanislaus (?)
• 1697 Ziemetshausen b. Krumbach, Pfarrkirche, St. Anna-Altar
• Ende 17. Jh., Kaufering, Lk. Landsberg, Pfarrkirche, Hl. Maria u. Johannes unter dem Kreuz, Apostelfiguren (Anfang 18. Jh.), Hl. Agatha, Florian (um 1710/15), Hl. Antonius von Padua, Gangwolf, Leonhard und Franziskus (Ende 17. Jh.), Ölberggruppe
• Ende 17. Jh. Denklingen, Lk. Landsberg, Pfarrkirche, 2 Figuren auf Konsolen im Chorraum; Hl. Petrus und Hl. Paulus
• Ende 17. Jh. Prittriching, Lk. Landsberg, Pfarrkirche, Tragfiguren Hl. Ulrich u. Urban
• Ende 17. Jh. Thaining, Lk. Landsberg, Pfarrkirche, Hl. Anna selbdritt, 12 Apostel, Hl. Johannes der Täufer und Ölberggruppe; Hl. Magnus, Antonius, Joachim und Anna Anf. 18. Jh.)
• Ende 17. Jh. Untermühlhausen, Lk. Landsberg, Pfarrkirche, Muttergottes, an der Kanzel die vier Kirchenlehrer (um 1690), Hl. Sebastian u. Rochus (um 1680), Hl. Mutter Anna
• Ende 17. Jh. Geltendorf, Lk. Landsberg, Pfarrkirche, Hochaltarfiguren Hl. Augustinus u. Ulrich
• Um 1700 St. Vitus (Egling an der Paar), Kruzifix
• 1700 Beuerbach, Lk. Landsberg, Pfarrkirche, Kanzel mit den vier Evangelisten
• Vor 1712 Kloster Maria Birnbaum, Lk. Aichach/Friedberg, Apostelfiguren
• Anfang 18. Jh., Holzhausen, Lk. Landsberg, Pfarrkirche, Vortragskreuz
• Anfang 18. Jh., Kaufering, Wallfahrtskirche St. Leonhard (Kaufering), Hl. Leonhard, Hl. Katharina, Hl. Antonius von Padua
• 1711, Hurlach, Lk. Landsberg, Pfarrkirche, Hl. Sebastian und Florian, Pietà
• Um 1700 Utting am Ammersee, Lk. Landsberg, Pfarrkirche, Hl Maria, Verkündigungsengel, an der Kanzel die vier Evangelisten, zwei stehende Engel
• Um 1710 Weil, Lk. Landsberg, Pfarrkirche, Tragfigurengruppe Marienkrönung; Petrus u. Paulus (Anfang 18. Jh.); außen Ölberggruppe (Ende 17. Jh.)
• Um 1710 Unteralting, Lk. Fürstenfeldbruck, Pfarrkirche, Kruzifix mit Assistenzfiguren
• Um 1712 Utting am Ammersee, Lk. Landsberg, Leonhardskirche, kleine Verkündigungsgruppe, Hl. Johannes der Täufer, Afra, Sebastian und Nikolaus ; Christus Salvator u. Hl. Joseph (Ende 17. Jh.)
http://de.wikipedia.org/wiki/Lorenz_Luidl (01.10.2013)