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Hintergrund

MINERVA, Lechrain – was, wie, wo?

Land, Dorf, Feldwiesenwald: Provinz. In dieser Provinz leben Menschen, seit jeher. Diese Menschen haben das Land geprägt: mit all ihren Eigenheiten, ihrer Sprache, ihrer Musik, ihren Bauten, ihrer Kleidung, ihrem Wirtschaften, kurzum mit Ihrem Wesen.  Es entstand eine Kulturlandschaft mit einer eigenen Ausprägung: Der Lechrain. Er erstreckt sich, entlang der Ostseite, also der “bairischen” Seite, des Lechs, von Schongau über Landsberg, Mering, Friedberg bis nach Rain am Lech.  Das sichtbarste, besser “hörbarste” Kennzeichen dieser Landschaft ist, die Sprache: das “Lechrainische”. Eine Sprache, die, die zahlreichen historischen und kulturellen Einflüsse aufgenommen hat: das Schwäbische, das Altbairische, etwas Tirolisches und vielleicht auch noch ein paar keltische Relikte. Leider ist diese Sprache im Verschwinden begriffen.  Manchmal hört man dieses Idiom noch, und man fragt den Sprecher dann überrascht: “Sou, wiasch du redsch, muasch du aus Huaschof oder Eeling khema“.
Der große bayrische Geschichtsprofessor Pankraz Fried schrieb über den Lechrain vom “Nachklang einer untergegangenen Geschichtslandschaft”.

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Doch was hat dies alles mit dieser Internetseite zu tun? Der mittlere Lechrain, also die Gegend von Landsberg bis Mering und im Osten etwa bis Jesenwang ist heute keine politische Einheit mehr, es ist Grenzland. Es ist aufgeteilt in den nördlichen Teil vom Landkreis Landsberg, dem westlichen Teil vom Landkreis Fürstenfeldbruck und dem äußersten südlichen Teil vom Landkreis Aichach-Friedberg, der noch dazu bereits im Regierungsbezirk Schwaben liegt. Dies hat nicht nur verwaltungsmäßige Auswirkungen, sondern auch informelle. Wie oft haben wir erfahren müssen, dass nur wenige Kilometer von unseren Wohnort entfernt eine interessante Veranstaltung war, die wir gerne besucht hätten. Und wir haben nichts davon erfahren, weil der Veranstaltungsort in einem anderen Landkreis war und die hiesige Lokalpresse davon nichts berichtete. Dieses Kommunikationsdefizit soll diese Internetseite verringern. Wir hoffen, dass sich weitere Veranstalter bei dieser Kulturplattform beteiligen um damit auch zu zeigen, dass sich die sogenannte “Provinz” nicht zu verstecken braucht, da sie genügend eigene kulturelle Werte hervorbringt.

Minerva  Putzmühle,Gde.Steindorf Lkr.Aichach/Friedberg Schwaben

Foto: C. Zocher, Archäologische Staatssammlung München.

Ach ja, warum der Name MINERVA? Im Jahr 1917 wurde bei der Paarregulierung  südlich der Putzmühle, Gemeinde Steindorf, eine kleine Statuette der MINERVA gefunden. Bei dem Bronzefigürchen von 15 cm Höhe ist die Iris der Augen in Silber eingelegt, vier Knöpfe auf dem rechten Oberarm sind versilbert. Die mit einem Mantel und einem korinthischen Helm bekleidete römische Göttin fasste mit der linken Hand ehemals wohl eine Lanze, die rechte Hand erscheint zum Dozieren erhoben: Minerva galt als Lehrmeisterin der Kriegskunst, des Handwerks und der Kunst. Es ist ein hochwertiges Kunstwerk der römischen Kaiserzeit aus der Zeit um 200 n. Chr. Sie gehörte wohl zu einer reichen „villa rustica“ – einem römischen Landgut – bei Hausen bei Hofhegnenberg.  Das Original befindet sich in der Archäologischen Staatssammlung in München, wie auch mehrere Säulen des Portikus‘ dieser römischen Villa. Bis zur Gebietsreform von 1978 war der schönste römische Fund des Landkreises Fürstenfeldbruck die Minerva-Statuette von der Putzmühle bei Steindorf.
Dieses Figürchen erlitt damit das gleiche Schicksal, wie das der Bevölkerung dieser Region: es wurde von einem zum anderen Herrschaftsbereich verschoben – und ist damit prädestiniert, als Symbol für unsere gespaltene Einheit zu stehen.

MINERVA ist eine römische Göttin, die von den Römern als Beschützerin der Handwerker und des Gewerbes betrachtet wurde. Im Laufe der Zeit ist sie mit der griechischen Göttin Athene gleichgesetzt worden und so wurde sie auch Schutzgöttin der Dichter und Lehrer. Minerva war die Göttin der Weisheit, der taktischen Kriegsführung, der Kunst und des Schiffbaus sowie die Hüterin des Wissens. Das Hauptfest der Minerva, die “Quinquatrus” (19. März, später auch bis 23. März), wurde besonders als Handwerkerfest von Zünften und Innungen begangen. Seit Augustus hat man sie auch als die siegverleihende oder die Geschicke des Staates lenkende Göttin verehrt.